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Eidgenössische Schiesskonferenz, 16. bis 18. Januar

Schiessoffiziere haben in Schaffhausen getagt

Historische Atmosphäre: Die Eidg. <br>Schiessoffiziere haben im 600 Jahre <br>alten Schaffhauser Rathaus getagt.
Historische Atmosphäre: Die Eidg.
Schiessoffiziere haben im 600 Jahre
alten Schaffhauser Rathaus getagt.

19.01.2018 - An der Eidgenössischen Schiesskonferenz vom 16. bis 18. Januar in Schaffhausen haben sich die Eidgenössischen Schiessoffiziere auf die Schiesssaison 2018 vorbereitet. Für die Schützen gab es viel Interessantes und Erfreuliches zu hören. Es setzte aber auch den einen oder anderen Dämpfer ab.

Die Eidgenössischen Schiessoffiziere und die illustre Gästeschar versammelten sich für die diesjährige Eidgenössische Schiesskonferenz an einem geschichtsträchtigen Ort. Die Plenarkonferenz vom 18. Januar 2018 fand im Grossen Festsaal des Schaffhauser Rathauses statt, in dem seit 600 Jahren getagt wird. Die historische Kulisse war ein würdiger Rahmen für die Eidgenössische Schiesskonferenz, an der die Grundlagen für die Schiesssaison 2018 gelegt wurden. Div Melchior Stoller, Vorsitzender der Eidgenössischen Schiesskonferenz, machte den Anfang und wies auf die Umsetzung der WEA (Weiterentwicklung der Armee), die am 1. Januar 2018 in Kraft gesetzt wurde, hin. Für den Schiesssport und das ausserdienstliche Schiessen hat das Reformprojekt kaum Auswirkungen, was später auch KKdt Daniel Baumgartner, Chef Kommando Ausbildung, bestätigte. Auch das Obligatorische Schiessen sei nicht gefährdet, so Stoller, auch wenn derzeit zum wiederholten Mal eine Motion die Aufhebung verlangt. «Der Vorschlag kommt so regelmässig wie das Amen in der Kirche», sagte Stoller. Er sei aber mehr als zuversichtlich, dass das Parlament dem Anliegen eine Abfuhr erteile. Für die Schützenvereine ist das eine gute Nachricht. Weniger Freude werden sie an der Haltung der Eidgenössischen Schiesskonferenz in Bezug auf das neue Schweizer Waffengesetz und die EU-Waffenrichtlinie haben. Zwar erachten auch die Eidgenössischen Schiessoffiziere (ESO) das Gesetz entgegen der Ankündigung des Bundesrats für nicht sonderlich pragmatisch, doch politisch äussern wollen sie sich nicht. «Für uns hat das Gesetz keine Konsequenzen», erklärte Stoller. «Die Heimabgabe des Sturmgewehrs und das ausserdienstliche Schiesswesen sind weiterhin gewährleistet.»

 

Die Schaffhauser Regierungsrätin Rosmarie Widmer Gysel ist selber aktive Schützin.

 

Unterstützung für die Schützen in Sachen Waffengesetz gibt es auch aus dem Kanton Schaffhausen nicht. Finanzchefin Rosmarie Widmer Gysel überbrachte die besten Wünsche der Regierung, die sich in der Vernehmlassung positiv zum Gesetzesentwurf geäussert hat. «Wir verlangen aber eine pragmatische Umsetzung der Vergabe der Ausnahmebewilligungen für Sturmgewehre», forderte Rosmarie Widmer Gysel, selber aktive Schützin. Der Kanton unternehme sehr viel für den Schiesssport. So hat Schaffhausen dank der SIG und der Nachfolgefirma Swiss Arms eine grosse Tradition in der Waffenproduktion. Schaffhausen fördere aber auch das Schiesswesen. So würden die Jungschützen mit einem speziellen Fonds unterstützt.

Auch KKdt Daniel Baumgartner sprach in seinem Referat über die Förderung der Jugend. Diese müsse einen «positiven Erstkontakt» mit dem Schiesswesen erhalten. Hier seien die Schützenvereine gefordert. Diese seien verantwortlich, den Schützennachwuchs für den Schiesssport und damit für die Armee zu begeistern. «Wir müssen das Feuer der Leidenschaft entfachen», forderte er. Die Armee sei auf engagierte Soldaten angewiesen. Dies umso mehr, als dass mit der WEA ein Paradigmenwechsel stattfinde: Es sollen wieder hauptsächlich Milizoffiziere in den Rekrutenschulen die Verantwortung tragen. Das Berufspersonal soll nur noch Lücken füllen.

 

KKdt Daniel Baumgartner will die Milizoffiziere stärker in die Verantwortung nehmen.

 

Erfreuliche Schadenbilanz

An Peter Studer, Leiter des Schadenzentrums VBS, und an Hans Rudolf Liechti, Geschäftsführer der USS Versicherungen, war es, Schadenfälle des letzten Schiessjahrs zu bilanzieren. Beide konnten ein positives Fazit ziehen. Das Schadenzentrum bearbeitete 5139 Ereignisse mit 7547 Schadenfällen. Dabei entstanden Kosten von 14,86 Millionen Franken. Das vermag auf den ersten Blick als hoch erscheinen. Doch würde der Bund diese Schäden versichern wollen, müsste er rund zehn Millionen Franken mehr in die Hand nehmen. Für 2018 rechnet Studer in seinem Bereich mit einer Zunahme an Schadenfällen. Grund seien die Winterstürme, die in den letzten Tagen die Schweiz getroffen haben. Unter den unzähligen Bäumen, die den Stürmen zum Opfer gefallen sind, werde es einige mit Schussschäden haben, so Studer.

Mit 22 Schadenfällen (zwölf Personenschäden, acht Haftpflichtfälle, sieben Kaskoschäden sowie ein freier Kredit) blicken auch die Verantwortlichen der USS Versicherungen auf ein ruhiges Jahr zurück. «Und das bei 32 Millionen Schüssen», betonte Geschäftsführer Hans Rudolf Liechti. Dabei sei aber auch das eine oder andere Mal das Glück auf Seite der Schützen gestanden. Zum Beispiel als das Mantelrohr eines Sturmgewehrs 57 förmlich explodiert ist. «Die kleine Zahl an Fällen ist auf die Disziplin der Schützen zurückzuführen», lobte Liechti. Für den Schiesssport sei das elementar. «Denn jeder Fall, der in der Öffentlichkeit ausgetragen wird, schadet unserem Sport.»

 

Hans Rudolf Liechti würde sich wünschen, dass weitere Schützenvereine eine Rechtsschutzversicherung abschliessen.

 

Nachholbedarf sieht Hans Rudolf Liechti in zwei Bereichen. So haben erst knapp 1200 Schützenvereine eine Rechtsschutzversicherung abgeschlossen. Dabei sei eine solche Versicherung bei einem Schadenfall im Schiessbetrieb von grösster Wichtigkeit. Die USS Versicherungen sind derzeit daran, das Angebot auszubauen. Eine neue Folgerechtsschutzversicherung soll auch Fälle ausserhalb des Schiessbetriebs abdecken, beispielsweise juristische Streitigkeiten bei der Kugelfangsanierung, mit Landbesitzern oder Gemeinden. Das zweite Feld, in dem Liechti gerne einen Schritt weiterkommen würde, sind die boomenden Indoor-Schiessanlagen. «Es fehlen Richtlinien und einheitliche Bestimmungen», erklärte er. Die Anlagen unterscheiden sich in Bezug auf die technischen Standards massiv. Zwar seien die Kantone und nicht die ESO verantwortlich, dennoch regte er eine Arbeitsgruppe an, die sich über Empfehlungen, Richtlinien und Vorschriften Gedanken macht. «Wir können uns hier keinen Wildwuchs leisten.»

Ins gleiche Horn blies Christoph Bosshard von der Suva. Auch dort macht man sich Gedanken über das Gefährdungspotenzial von Indoor-Schiessanlagen. Bosshard denkt dabei weniger an die Gefahr von Schussverletzungen oder Gehörschäden, sondern an die Dämpfe und den Staub, die bei der Schussabgabe entstehen. Im Outdoor-Bereich sind diese Emissionen vernachlässigbar, in einem geschlossenen Raum können sie aber die Gesundheit gefährden. Eine funktionierende, auf einen Schiessbetrieb abgestimmte Lüftung sei deshalb unabdingbar. Doch auch er musste feststellen, dass es derzeit an Richtlinien fehle.

 

Div Melchior Stoller führte als Vorsitzender durch die Eidgenössische Schiesskonferenz.

 

Zum Schluss kam nochmals Div Melchior Stoller zu Wort. Er bedankte sich beim Schaffhauser Organisationskomitee für die Vorbereitungsarbeiten und ehrte Werner Hirt, der zum 25. Mal als Journalist über die Eidgenössische Schiesskonferenz berichtet hat. Die Schiesskonferenz 2019 wird vom 15. bis 17. Januar in Genf stattfinden. (van)

 

Das Wichtigste für die Schützenvereine

Die Eidgenössische Schiesskonferenz ist immer auch jener Moment, in welchem Katrin Stucki, Chefin Schiesswesen und ausserdienstliche Tätigkeiten, und Daniel Siegenthaler, Eidgenössischer Schiessanlagenexperte, wichtige Informationen für Schützen und Schiesssportvereine kommunizieren. So konnte Katrin Stucki mitteilen, dass voraussichtlich ab Herbst 2018 in den Schützenmeisterkursen und deren Wiederholungskursen Schützenmeister-Westen abgegeben werden. Die Aktion musste wegen Lieferengpässen verschoben werden. Erfreulich für die Schützen ist zudem, dass das VBS beschlossen hat, die Werterhaltung des Sturmgewehrs 90 bis 2050 zu garantieren. Weiter präsentierte sie das Projekt der neuen App für Schützenmeister. Das Programm für Smartphones und Tablets fasst alle für Schützenmeister relevanten Informationen übersichtlich und handlich zusammen. Geplant ist, dass die App den Schützenmeistern, wie auch interessierten Kreisen im Bereich des Schiesswesens ausser Dienst, der ausserdienlichen Tätigkeiten und der vordienstlichen Ausbildungen ab 2019 zur Verfügung steht.

Der Eidgenössische Schiessanlagenexperte will in diesem Jahr den Fokus bei den Kontrollen auf vier Punkte legen:

  • Kugelfangsystem: Zustand der Anlagen
  • Kugelfang: Wartung
  • Warn- und Absperrvorrichtungen: Sichtbarkeit, Aktualität,
  • Schallschutztunnel: Wartung

Im Bereich der Kugelfangsysteme stellte Siegenthaler Nachholbedarf fest. Ab 2021 erstattet das Bundesamt für Umwelt den Schützenvereinen keine Gelder mehr für die Sanierung, wenn bis zu diesem Zeitpunkt keine Kugelfangsysteme eingebaut wurden. Während gewisse Kantone dieser Pflicht zu 100 Prozent nachgekommen seien, hätten andere Kantone nicht einmal die Hälfte der Schiessstände aufgerüstet.

 

 

Veränderungen kommen auf die Schützenvereine im Bereich der Munitionsabgabe zu, wie Vincent Monney (Bild oben), Chef Logistikführung, informierte. Sein Team überprüft die Sicherheit der Munitionslagerung, des -transports und der -abgabe. Gut möglich, dass als Folge dieser Überprüfung gewisse Abgabestandorte gestrichen werden. Ebenso wird die Munitionsabgabe präziser definiert. Die Schützenvereine werden über die Neuerungen rechtzeitig informiert. (van)

 

Statistiken 2017

Beim Obligatorischen Programm und beim Feldschiessen konnte der Aufwärtstrend der letzten beiden Jahre mit wenigen Ausnahmen nicht bestätigt werden. Im Obligatorischen Programm der 300m-Schützen nahm die Teilnehmerzahl um 3487 auf 156’906 Teilnehmer ab. Auch beim Feldschiessen reduzierte sich die Zahl der Gewehrschützen um 760 auf 90’074. Bei den Jungschützenkursen nahm die Teilnehmerzahl um 179 auf 9537 ab. Die Zahl der Jungschützenkurse stieg hingegen um 11 auf 859. Erfreulich ist die Entwicklung bei den Pistolenschützen. Beim Obligatorischen Programm nahm die Teilnehmerzahl um 83 auf 17’333, im Feldschiessen um 97 auf 28’176 zu. Das Feldschiessen bleibt trotz des leichten Rückgangs das grösste Schützenfest der Welt, an welchem an einem Wochenende rund 2,1 Millionen Schuss abgegeben werden. (van)

 

 

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